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Sprachentwicklung und Sprachbarrieren bei hochsensiblen Kindern

EINLEITUNG
Dieser Blogartikel behauptet nicht, dass wir wissen, wie hochsensible Menschen sprechen. Wir können jedoch Strukturen aufzeigen, die dir die Sprachgebung bei hochsensiblen Menschen näher bringt, vor allem schöpfend aus der Expertise von Marie als Kommunikationstrainerin und Coach für hochsensible Menschen. Weil das Thema Sprache bei Hochsensiblen umfangreich ist, haben wir zwei Artikel daraus gemacht. Heute am 11. November erscheint der Erste mit dem Thema “Sprachentwicklung und Sprachbarrieren bei hochsensiblen Kindern”. Am 25. November dann der Zweite, der sich der “Sprachgebung bei hochsensiblen Erwachsenen” widmet. Viel Freude beim Lesen, Marie & Holger
ALS WIR KLEIN WAREN
In der zwanzigsten Schwangerschaftswoche entwickelt sich als erster Sinn unser Gehör. Wir liegen also mit dem linken Ohr auf dem Beckenknochen unserer Mutter und nehmen durch die Knochenleitung alle Schwingungen, die sie so äußert wahr, plus natürlich die ganzen Geräusche, die es im Körper noch so gibt. Herzschlag, Puls, Glucksen… . Schwingungen sind Schallwellen, sind Emotionen. Ist die Mama aufgeregt, traurig, fröhlich, bewegt, dann äußert sich das in einer bestimmten Schwingung, die uns erreicht und in unserer rechten Gehirnhälfte eine Bibliothek der Emotionen anlegt. Kommen wir auf die Welt, dann lernen wir in der linken Gehirnhälfte,  dass die unterschiedlichen Emotionen zugeordnet werden können. Ein Teddybär löst durch seine lustige Form, die kuschelige Haptik und das nette Hin- und Herwackeln unseres Vaters mit dem braunen Teil eine Freude aus. Der Name für diese Freude knüpft sich an das Wort Teddy, der von unser Mutter in verschiedenen Situationen wiederholt wird.

Holger als Träumer & Marie als Abenteurerin.

ICH & DIE WELT
Und da haben wir es, Sprache als Ausdruck unserer Emotionen, die Namen durch Worte bekommt. Worte, die zu Sätzen werden, um später komplexe Ideen und Gedanken auszudrücken. Das ganze passiert in einem stetigen Austausch mit der Umwelt, die uns umgibt. Wenn wir also sprechen, dann zeigen wir unsere Beziehung zur Welt, also eine bestimmte Art der Weltannahme. Diese Weltannahme wird durch Genetik, Sozialisierung und Biographie beeinflusst. Sprache dient dabei als Mittler der eigenen Weltannahme zu einem Lebewesen, Mensch oder Tier.
SPRACHBILDUNG
Wie geht es nun hochsensiblen Menschen mit ihrer Sprache? Dafür müssen wir nochmal genauer hinschauen, wie jeder Mensch seine Sprache in den ersten Jahren bildet.
Zurück also in die Kindheit. Hier entscheidet sich u.a.:
 
Der Dialekt:
Als Abdruck der Herkunft in Sprechmelodie, spezifisch, regionalen Worten wie auch Sprechtempo.
 
Das Grundvertrauen:
Wenn es möglich ist, frei und bestärkend seine Wahrnehmung äußern zu dürfen, kann ein stabiles Grundvertrauen in sich und seine Außenwelt entstehen. Wird jedoch auf die Beschreibung der Welt, die das Kind äußert nicht eingegangen oder sogar mit Sätzen versehen wie: sei nicht so leise, kompliziert, laut – dann könnte das Grundvertrauen erschüttert und die lockere, spontane Sprachgebung blockiert werden.
 
Der letztere Aspekt ist häufig der Entscheidende in der Entwicklung des hochsensiblen Kindes.
ANNA
Eine Geschichte, die wir immer gerne exemplarisch erzählen, um ein Verständnis dafür zu bekommen, wie hochsensible Kinder wahrnehmen und wie dies schließlich auf die Sprachgebung von hochsensiblen Erwachsenen wirkt, ist die fiktive Geschichte der kleinen Anna.
 
Anna sitzt in der 2b um 8:20 Uhr im Klassenzimmer. Gleich beginnt der Matheunterricht. Mathe ist nicht ihr Lieblingsfach. Doch sie kriegt das schon hin mit den Zahlen. Jedenfalls, wenn sie mit ihrem Papa Zuhause übt. Dann hat sie sogar manchmal Freude an den Möglichkeiten der Zahlen, die größer oder kleiner werden. Soviel weiß sie schon. Kurz bevor die Stunde beginnen kann, sind alle sehr aufgeregt. Es werden noch Vereinbarungen getroffen, sich auf dem Schulhof zu treffen und geklärt, ob man sein Pausenbrot für den Schokoriegel tauscht. Das ist für Anna fordernd. Wäre Anna extrovertiert hochsensibel würde sie wahrscheinlich schon viele Pläne gemacht haben, wie die Pause aussieht. Wäre Anna introvertiert hochsensibel könnte es sein, dass das Licht zu grell ist, sie zu viele unterschiedliche Stimmen anstrengen würde. Ob Anna nun Allianzen für die Pause schmiedet oder eher nach Draußen in die Wolken guckt, oder sich im “Hafen” der sicheren Freundinnen befindet, für hochsensible Kinder ist der Speicher von Impulsen schnell voll. Kommt dann eine Lehrerin, Lehrer, der oder die eventuell sehr streng ist, nach Kaffee riecht, sich über Anna beugt, um Mal das Schrecklichste aller Szenarien zu skizzieren, dann ist in Anna Aufnahmestopp, das Adrenalin geht nach Oben, Überstimulation die Folge. Eine Situation, in der Anna nicht denken kann, sondern flüchtet – aus dem Fenster schauen oder malen, kämpft – der Klassenclown wird, unruhig mit viel Bewegungsdrang, oder erstarrt, mitunter als leistungsschwach bezeichnet wird. Im schlechtesten Fall kann Anna sogar Mobbing durch anderen Kinder erfahren, wenn keine spezifischen Rahmenbedingungen vorhanden sind, die hochsensible Kinder wie Anna schützen. Das Grundvertrauen wackelt und die Sprache, die sich als Kind und Jugendlicher noch findet, kann sich in einer immer wiederholenden stressigen Situation bei hochsensible Kindern wie folgt äußern:
HOCHSENSIBLE SPRACHBARRIEREN BEI KINDERN
 
Stottern bzw. Sprachfindungsprobleme:
Das Kind nimmt soviel wahr, findet keine Worte, wird jedoch von Außen gebeten bis aufgefordert sich zu äußern. Dies ist der Moment, wo eine Hemmung entstehen kann, weil das richtige Wort nicht gefunden wird. Der Stimmapparat versagt. Passiert dies häufig im hochsensiblen Kind, kann eine grundlegende Angst entstehen, zu scheitern. Zuviel Adrenalin ist die Folge. Das Gehirn setzt auf Notversorgung bis Blackout. Stottern kann eintreten.
 
Verweigerung
Eine Verweigerungshaltung auf die Reaktion wäre schon eine Antwort des Kindes bzw. eine Gegenreaktion auf die missliche Lage. Durch Verweigerung des Sprechens, kann das Kind dem eigenen Scheitern entgehen.
 
Metaebene
Hat es damit einmal Erfolg gehabt, scannt das hochsensible Kind weitere Gefahrensituationen ab. Es betrachtet sich sozusagen auf einer Metaebene von Außen, um Strategien zu entwickeln, die es dann auch austestet: Strategien könnten sein: Wegträumen, Provokation oder sich seinem Gegenüber in der Situationen so anpassen, dass das Gegenüber zufrieden ist. Bedeutet, gepaart mit der Fähigkeit den Anderen körpersprachlich gut auszulesen , “bedient” es die Worte, die gehört werden wollen. Hat es das fleißig als Kind trainiert, wird im hochsensiblen Erwachsener fortgesetzt, kann das Gefühl entstehen, immer kontrollieren zu müssen, was dem Gegenüber zugemutet werden kann bzw. den Anderen ein Stück weit belügen zu müssen, weil man ja nicht genau sagen kann und darf, was man alles denkt bzw. eben wahrnimmt.
Am 25. November kannst du hier weiterlesen, wie sich Sprache bei hochsensiblen Erwachsenen zeigt. Hast du unseren Newsletter noch nicht, dann trag dich hier ein und lass dich von uns erinnern, wann der nächste Blog wie Podcast erscheint.