Kaffee & Konfetti
#10 Jubiläumsfolge | Blick zurück
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Im April ging unser Podcast “Kaffee & Konfetti” an den Start. Wir waren im Café, im Naturkundemuseum, am Berliner Alexanderplatz, im Kulturkaufhaus Dussmann…, immer mit der Frage unterwegs, was macht den Anderen in seiner hochsensiblen Wahrnehmung so richtig glücklich. Heute blicken wir zurück und sprechen darüber, wie uns die Glückschallenges verändert haben? Welche AHA Momente es gab? Welche Grenzen? Was bewegend, was lustig war? Außerdem geben wir einen Ausblick auf die neuen, kommenden Folgen.

Blick zurück – Interview

In der Hochsensibilität ist alles ganz schön intensiv. Ein Impuls ein Universum. Deshalb wollen wir deine Sinne auch nicht überfordern, sondern klug anregen. Ein Teil unseres Gespräches kannst du daher in der Jubiläumsfolge hören und den anderen Teil hier lesen. 

Hat sich dein Alltag verändert?

Holger: Ja, also nicht grundsätzlich und überhaupt, aber in sozialen Situationen, wo ich auf Menschen treffe, da bin ich flexibler, agiler, lockerer. Das erleichtert mir den Alltag ungemein. Mich spricht jemand an und dann kann ich reagieren, anders als sonst. Interessant ist jedoch auch, wenn ich das ne Weile nicht mache, dann retardiert das wieder.

Marie: Erlebst du dies als Gewinn oder erleichtert dies deinen hochsensiblen Alltag?
Holger: Ja. Für mich ist Kommunikation mit Menschen, die ich nicht gut kenne doch mit erhöhtem Aufwand verbunden, weil ich sehr mutig sein und mich trauen muss. Mut und sich trauen kosten Kraft. Und wenn ich davon ein bisschen weniger Kraft brauche, dann ist das erleichternd.
Marie: Mein Alltag hat sich insofern verändert, dass ich rücksichtsvoller auf deine Bedürfnisse eingehe. Zum Beispiel, dass ich dich nicht im Auto einschließe (lacht).
Nein, ich bin grundsätzlich rücksichtsvoller geworden. Der ruhigere und passivere Anteil in mir hat sich weiter ausgeprägt. Ich geb also viel schneller nach. Das ist manchmal gar nicht so leicht, aber ich komme dann auch in einen anderen Flow-Zustand. Fast ein bisschen kopfiger, nicht so intuitiv körperlich. Dadurch bin ich auch gut alarmiert zu merken, wann kommt die Überlastung. Und das ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt.
Holger: Retardiert es auch bei dir, wenn wir uns eine Weile nicht challengen bzw. herausfordern?
Marie: Nein (lacht)
Holger: Du lernst also nachhaltiger als ich. Ich bin dann eher so das Eichhörnchen (lacht)
Marie: Ich glaube, du hast es ganz schön ausgedrückt. Das ist eine Mindest Frage, eine Haltung. Bei dir passiert viel im Kopf, bei mir im Körper.
Holger: Vielleicht ist es deswegen auch mehr verankert.
Marie: Ja, vielleicht. Das wäre mal interessant daran zu forschen: Du redest ja auch von Werkzeug und ich von Bewusstsein.
Holger: Das eine nimmt man in die Hand, das andere geht mehr in den Bauch.

Verstehst du jetzt mehr was mich glücklich macht?

Marie: Ja, ich hoffe es. Das ist ja der eigentliche Grund, warum wir diesen Podcast gestartet haben.
Holger: Ja, eine große Frage.
Marie: Stichwort Espresso bei der Café Challenge Folge neun. Dieses Minimale. Ich hab ja gedacht, oh die haben so tollen Kuchen, aber in der Challenge kriege ich ja keinen. Da war ich erst einmal enttäuscht. Und dann kommt schließlich dieser Espresso, so schön angerichtet mit diesem Pralinchen. Nach fünfzig Minuten Warten so ein Feuerwerk. Das Minimale, die Reduktion war richtig befriedigend. Und ich hab den Eindruck, das macht dich auch glücklich.
Holger: Hat es dich selber auch glücklich gemacht?
Marie: Ja. Das hat mich super glücklich gemacht. Ein nächster Aspekt war die Vertiefung auf eine Sache, wie z.B. Literatur oder beim Naturkundemuseum auf einzelne Gegenstände.  Das sind Glücksaspekte, die dich treffen oder?
Holger: Ja, 100prozentig.
Marie: Und hast du rausfinden können, was mich glücklich macht?
Holger: Ja. Ich vermute es. Diese Neugierde Dinge zu erfahren. Beispiel Dussmann: Diese Lust diese ganze Welt der Medien, Musik, der unterschiedlichen Bücher, zu unterschiedlichen Themen, das alles in sich aufzunehmen, wie so ein Schwamm. Oder auch durch Kontakt mit Menschen, dadurch, dass man mit denen spricht was über die zu erfahren, etwas über sich selbst zu erfahren und in der Vernetzung mit der Welt sich die ganze Zeit zu fragen, was ist denn heute an diesem Tag, was ist denn da noch drin, was kann denn noch passieren? So würd ich es auf den Punkt bringen.
Marie: Ja, das trifft mich. Absolut, das ist mein Glück.
Holger: Ja, und mich hat es in diesem Augenblick auch glücklich gemacht. Einfach heftige Endorphine, die durch den ganzen Körper gehen. Glück ganz physisch.

Wovor hattest du am meisten Angst?

Holger: Menschen anzusprechen. Das war die größte Angst, ja.
Marie: Glaubst du diese Angst Menschen anzusprechen ist eher in deiner Persönlichkeit begründet bzw. welche Rolle spielt die Hochsensibilität darin?
Holger: Ich würde sagen 70 Holger 30 Hochsensibilität in Prozenten ausgedrückt. So aus dem Bauch heraus.
Marie: Meine Erfahrung in der Arbeit mit Hochsensiblen ist es, dass in Gruppenkontexten der hochsensible Mensch vorab Emotionen, Themen erspürt und erahnt. Entweder stillschweigend für sich behält oder eben benennt. Entscheidet sich der hochsensible Mensch dafür, es zu benennen, kann es passieren, dass das Gegenüber oder auch mehrere in einer Gruppe den Gedanken des Hochsensiblen noch nicht folgen oder einordnen kann oder können. Das irritiert wiederum den Hochsensiblen. Daraus entsteht eine Skepsis, die die Kommunikation und das Miteinander belasten kann. 
Holger: Ja. Die Skepsis kann ich aus dem eigenen Erleben nachvollziehen. Manchmal denk ich über was nach und dann denk ich, soll ich das jetzt sagen oder nicht und dann will ich es sagen und die Situation ist schon vorbei.
Marie: Also ich würde daher eher doch sagen, 40% berührt das Thema Kommunikation mit anderen Menschen die Hochsensibilität, der Rest deine Persönlichkeit.
Holger: Ja, da können wir uns treffen. Und du? Wovor hattest du Angst?
Marie: Ich hatte Angst aus diesem Strudel der Negation im Naturkundemuseum nicht mehr herauszukommen. Ich glaube, ich bin da schon fast radikal in der Haltung, dass es immer viele Aspekte gibt, die zu berücksichtigen gibt und viele Perspektiven und dass es nicht die Antwort gibt, das Wissen. Und da kam ich aber plötzlich in so eine fatale Negation, dass Tiere so auszustellen, nicht ethisch ist. Das war anstrengend.
Holger: Die Angst der Beengung im Kopf?
Marie: Beengung stellt für mich sowieso eine Schwierigkeit dar. Freiheit ist mir ganz wichtig. Beengung hab ich gerade im Findungsprozess als Jugendliche und junge Erwachsene viel erlebt, weil ich ja nicht immer in dem Kontext war, dass ich bestimme oder anteilhaft bestimmen kann. Wenn andere über mich bestimmen, was richtig oder falsch ist, fand und finde ich dies bis heute schwierig, wenn es nicht einen Rahmen gibt, wo man miteinander spricht und kommuniziert und auch Lösungen findet für Menschen, die anders wahrnehmen und mehr Zeit brauchen oder einen anderen Weg finden müssen. Es gibt viele Wege nach Rom.
Holger: Bei mir war es so eine ganz direkte Angst und bei dir war es mehr eine Haltung , mehr im Kopf.

Was war der lustigste Moment?

Marie: Das ist eine schöne Frage. Das war bei der Challenge “Anfänge”. Du bist ja durch die Tür gerannt als wir von Zuhause los sind. Die Haare im Wind, der Hund kläffend hinter dir her. Du hattest dich dann auch so schick angezogen mit deiner lachsfarbenen Jacke, bist raus in die Welt und immer mit diesem Grinsen. Und das war so komisch und schwierig zugleich in meiner Rolle, in der Challenge zu bleiben. Ich musste ständig lachen, da ich mir vorkam wie bei “Verstehen sie Spaß.”
Holger: Ja, es war ein sehr skurriler Moment.
Marie: Und deiner?
Holger: In der ersten Challenge im Kaufhaus Dussmann. Ich glaube das hing auch wirklich damit zusammen, dass ich das erste Mal diesen Wahrnehmungskanal so geöffnet habe und ich wusste gar nicht, was mir widerfährt. Ich bin da flirrig, nen Zentimeter über dem Boden schwebend durch dieses Kaufhaus gerannt mit dem Mio unserem Hund und in meiner Emphase hab ich dann einen Herren, einen älteren Herren angerempelt, der sich gerade eine Tasse angeguckt hat, weil ich wollte zu diesem einem Objekt. Und dem älteren Herren ist die Tasse fast runtergefallen. Es ist zwar nichts passiert und er hat auch gelächelt, sonst wär die Situation auch nicht lustig gewesen. Ich hab mich natürlich auch entschuldigt. Das war wirklich für mich eine sehr, sehr lustige Situation.