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Wir lieben Kinderfilme. Ein Film der es uns besonders angetan hat ist “Alles steht Kopf”. Für die, die den Film nicht kennen:  Es geht um das etwa Mädchen Riley, also vielmehr geht es um ihre Emotionen.  Freude, Kummer, Angst, Wut  und Ekel sind dargestellt als kleine Figuren in ihrem Kopf und die haben nur eine Aufgabe: Riley soll glücklich sein. Die fünf haben den ganzen Tag alle Hände voll zu tun und es gibt Tage, da gelingt es ihnen gar nicht. Als hochsensibler Mensch kannst du dir das in etwa so vorstellen:  Die Arbeiter in deinem Kopf haben ein dauerhaft erhöhtes Arbeitsaufkommen. Wenn die Kollegen in deinem Kopf mit den Ereignissen überfordert sind dann ist Glückserleben bei Riley und auch bei dir nur schwer möglich.  Und als Hochsensibler Mensch ist es nun mal so, dass Reize (also alles, was du äußerlich und innerlich wahrnimmst) in hoher Intensität auf dich wirken und du du sie nicht wegfiltern kannst. Ein Glücksverhinderer ist also die hohe Dichte an ausgelösten Emotionen.

Beschreib doch mal!

Wenn die fünf Emotionen jetzt jemanden hätten, der alles ein bisschen organisiert würde das sicher leichter gehen. Und diese Aufgabe kannst du mit täglicher Übung übernehmen. Intuitiv, wissen wir und du meist sehr gut, was uns gut tut und sogar glücklich machen kann.  Nun können wir die äußeren  Rahmenbedingungen, in denen wir uns bewegen meist nicht  von jetzt auf gleich ändern. Woran wir aber jederzeit etwas ändern können ist unserer innere Einstellung. Wie? Indem wir beschreiben lernen, was wir wahrnehmen ohne zu werten.  Wenn wir Situationen, Umstände und Gedanken, die uns täglich begegnen anfangen zu beschreiben, als würden sie wie Bild oder ein Objekt vor uns stellen, dann passiert nämlich folgendes: Sie sind etwas weiter weg und wir knüpfen nicht sofort eine starke Emotion daran, die uns so stark einnimmt , dass wir manchmal sogar vergessen, was Gegenwärtig gerade passiert. Verlieren wir die Gegenwart aus dem Blick verpassen wir vielleicht besondere Augenblicke des Glücks. Wir sind nicht gegen Emotionen ganz im Gegenteil, sie machen uns aus. Aber gerade als hochsensible Menschen erleben wir permanent ein hohe Intensität an Emotionen, sodass ein bisschen weniger auch befreiend sein kann.

“Beschreiben ohne Werten, da kommen wir dem Glück schon etwas näher.”

Schauen wir dafür noch einmal in den aktuellen Podcast “Hochsensibel auf der Raststätte”: Wir saßen an einem Platz, an dem wir durch eine Scheibe direkt den Eingang sehen konnten. Und dann passierte Folgendes: Eine ganze Busladung an Menschen betrat die Raststätte. Das erste Gefühl könnte dies hier sein: “Oh mein Gott, die zerstören die angenehme Ruhe, es wird laut, dazu noch überfüllt. Das fühlt sich überhaupt nicht gut an.” Körperliches Unwohlsein und kreisende (negative) Gedanken könnten die Folge sein.

1. Versuche jetzt statt der Wertung eine Distanz zwischen dich und die Situation zu bringen. Denn das hilft, dass dich deine Emotionen nicht überrumpeln
2. Atme aus
3. Und konzentriere dich auf das was du durch deine Sinne wahrnehmen kannst. Was siehst, hörst oder auch riechst du? Zurück zum Beispiel aus der Raststätte: “Da sind 20 Menschen und sie haben alle ein Ziel. Sie möchten eine Pause machen. Interessant ist, dass die Männer fast alle Karohemden tragen und viele der Frauen gefärbte Haare haben.”

Die Beschreibung macht die vermeintliche Bedrohung zum Phänomen und so wirst du in die Lage versetzt, dass es vielleicht komisch, interessant oder zumindest nicht mehr so bedrohlich für dein Wohlbefinden ist. Praktizierst du dies viel und öfters, erlernst du nach und nach eine Kunst, die dich unterstützt Grenzen zu ziehen, Eigen- und Fremdwahrnehmung besser zu verstehen und vor allem, dich mehr als hochsensiblen Menschen auszubalancieren, um den Fokus auf das Wichtige zu legen: Dich besser in deiner Hochsensibilität zu verstehen.

Und ganz wichtig: Üben, üben, üben und auch mal Pause machen